
Gesunde und erfolgreiche Handwerks- und Baubetriebe sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Region und stellen eine bedeutende soziale Stütze unserer Gesellschaft dar. Dass die Beschäftigte die größten „Wertschöpfer“ im Betrieb sind, stellten der Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, Klaus Repp sowie Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, gleich zu Beginn der Veranstaltung mit ihren Einführungen klar.
Beide stellten in den Mittelpunkt, wie wichtig gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung gezielte Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung seien, um die Gesundheit, die Beschäftigungsfähigkeit und die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten, zu fördern und im Einklang damit das Betriebsergebnis und die Wirtschaftskraft des Unternehmens zu stärken.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die von Ingeborg Totzke vom Verband Farbe Gestaltung Bautenschutz Hessen kurzweilig moderiert wurde, standen Praxisbeispiele aus drei kleinen Unternehmen. Die jeweiligen Unternehmer stellten zusammen mit Netzwerkpartnern vor, welchen praktischen Nutzen sie durch die zielgerichtete und engagierte Umsetzung von Lösungskonzepten erreichen, die von den Netzwerkpartnern angeboten und zum Teil gemeinsam und neuentwickelt wurden.
Dass gesunde Betriebe vorausschauend organisiert sind und eine gute Arbeitsgestaltung auf weisen, konnte Hermann Schmidt, Dachdeckermeister aus Frankfurt, aus der Praxis seines eigenen Betriebs berichten. Als einer der Aktiven der hessischen Qualitätsinitiative „Hessendach“ berichtete er von dem großen Wert, den er der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung beimisst, die er mit Unterstützung des Netzwerks für seinen Betrieb durchgeführt hat. Norbert Hain vom Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen stellte das im Netzwerk entwickelten Praxiswerkzeug „Arbeitssicherheit im Betrieb“ vor, das auch Hermann Schmidt hierfür einsetzt. Dessen hohen praktischen Nutzen für das Unternehmen unterstrich Schmidt, es sei nicht mehr weg zu denken aus seinem Unternehmen.
Ähnlich erfolgreich hat Jörg Westermann, Gerüstbauunternehmer aus Kassel, das Selbstbewertungsinstrument CASA-bauen in seinem Unternehmen umgesetzt. Begonnen hat er nach seinem Einstiegsseminar vor drei Jahren, einem von bislang mehr als 25 Seminaren des Netzwerks zu CASA-bauen, mit kleinen organisatorischen Schritten. Diese zeigten schnell ihre positive Wirkung, nicht nur auf den Arbeitsschutz, sondern vor allem auf die wirtschaftliche Umsetzung von Aufträgen insgesamt. Auch die zwischenzeitlich getätigten umfangreicheren Investitionen konnten so rasch zu Verbesserungen führen, dass der nicht geringe Aufwand bereits jetzt mehr als ausgeglichen ist. Auf großes Interesse stieß bei den Teilnehmenden vor allem die positive Außenwirkung der betrieblichen Maßnahmen von Westermann in Bezug auf Kundenbindung und qualitativ hochwertigen und fachlich anspruchsvolle Aufträgen.
Mit der Vorstellung eines Praxisprojektes aus der Firma Fischer Dach in Wertheim von Gabriele Graf-Weber und Frank Ruhnau von der IKK classic (leider konnte Hans Fischer aufgrund von Krankheit nicht wie geplant selbst berichten) wurde deutlich, wie selbst in einem bereits sehr gut aufgestellten Unternehmen zielgerichtete Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zu noch weiteren und wesentlichen Verbesserungen führen können. Insbesondere im Hinblick auf die demografische Entwicklung wird hier seitens des Unternehmens eine sehr große Bedeutung gesehen. Erkennbar wurde auch in diesem dritten Beispiel aus der Praxis, dass die Lösungskonzepte der Netzwerkpartner einen erheblichen Nutzen insbesondere für kleine Betriebe entfalten können.
Karin Thomas-Clausnitzer und Dieter Pliester von der AOK stellten das konkrete Konzept einer Bewegungsanalyse vor, die in mehreren Handwerksbetrieben erfolgreich durchgeführt wurde. Die Beispiele aus dem Friseurhandwerk und einer Dachdeckerfirma zeigten den großen Effekt, verbesserungsfähige Arbeitsbedingungen mit relativ einfachen Methoden den Betroffenen und Verantwortlichen in einem Betrieb aufzuzeigen und „vor Augen zu führen“ (z. B. durch die gezielte Aufbereitung von Videoaufnahmen von Tätigkeiten im Unternehmen). Gerade damit war die Initiative des Unternehmers und seiner Beschäftigten für gezielte Verbesserungsmaßnahmen relativ einfach zu erreichen.
Abschließend stellt Marianne Weg vom Hessischen Sozialministerium das gemeinsame Informations- und Schulungskonzept des Netzwerks für 2011 vor. Die Beispiele des Tages zeigen, dass kleine Unternehmen in Hessen ein praxisorientiertes Unterstützungsangebot nutzen können, um sich für die nicht kleinen Herausforderungen gut aufzustellen.
Sicherlich wäre es noch viel besser gewesen, wenn noch mehr Unternehmer und Führungskräfte aus Handwerksbetrieben und kleineren Bauunternehmen die beeindruckenden Beiträge ihrer Kollegen gehört hätten. Die anwesenden rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedenfalls haben die gute Chance genutzt sich über bewährte praktische Konzepte zu informieren und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis neue Lösungsideen für ihre eigenen Betriebe zu diskutieren.
Alle Partner des Guten Bauens in Hessen waren am Ende rundum zufrieden mit dem praxisnahen Veranstaltungskonzept, das uneingeschränkt gut bei den Teilnehmenden ankam. Sie dankten Holger Jensen von der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammer für die professionelle und reibungslose Organisation. Selbstverständlich wird im kommenden Jahr das 3. Dialogforum des Netzwerks veranstaltet.
Downloads
Gesunde und erfolgreiche Handwerksbetriebe - Informations- und Schulungsangebote des Netzwerks
(DOC: 95 kB)
Gutes Bauen in Hessen
(PDF: 3,2 MB)